Was sind Deckhengste?

Im Grunde genommen kann jedes männliche Pferd Nachkommen zeugen, ist also ein Deckhengst. Allerdings ist ein solches „wildes“ züchten verpönt. Die Pferdezucht wäre heute nicht das was sie ist, wenn nicht kontinuierlich selektiert und verbessert werden würde.

Das gilt natürlich auch für die Deckhengste. Ein zukünftiger Deckhenst muss daher heute zahlreiche Prüfungen bestehen, um die begehrte Zuchtzulassung zu erhalten.

Wie wird ein Pferd zum Deckhengst?

Junges Fohlen
Foto Jetta v. Stock.Adobe.com

Beginnen wir aber von vorne. Ob ein Fohlen einmal das Zeug zum Deckhengst haben KÖNNTE, zeigt sich heute schon an seiner Abstammung. Mit dem entsprechenden Papier hat man schon mal eine Eintrittskarte. Gerne gesehen sind bekannte Vererber, die vielleicht selbst schon groß im Sport rausgekommen sind oder tolle Nachkommen haben. Aber auch mütterlicherseits sind hochdekorierte Stuten (tolle Sportpferde oder Staatsprämie) wichtig.

Der weitere Weg zum Deckhengst ist steinig. Bereits mit einem halben Jahr entscheiden erfahrene Züchter, ob es sich lohnt, aus dem Fohlen einen Deckhengst werden zu lassen oder einen Wallach. Dazu werden die Fohlen gemustert und beurteilt. Erfahrene Züchter sehen das Potential oder eben nicht. Die Fohlen, die Potential haben, kommen danach erst einmal wieder auf die Weide.

Die Vorauswahl

Das süße Fohlenleben währt jedoch nicht sehr lange, denn bereits mit 2 Jahren werden die Hengste heute zur Vorauswahl beim Zuchtverband vorgestellt..

Hier wird bereits stark auf Äußerlichkeiten wert gelegt. Wird die gewünschte Größe erreicht? Wie ist das Exterieur und die Bewegungen? Heute muss ein Hengst 100% korrekt sein, um hier weiter zu kommen. Erfahrungsgemäß schafft nur noch die Hälfte diese Vorauswahl, der Rest wird kastriert und verkauft. Nun geht es noch einmal für einige Monate auf die Weide, dann wird es ernst. Im Herbst beginnt die Arbeit für die jungen Hengste, die nun 2 1/2 Jahre alt sind.

Nun wird trainiert, longiert, Freispringen geübt usw. Muskelaufbau ist angesagt, schließlich soll das Pferd auch wie ein Hengst aussehen. Hier zeigen sich dann die Pferde, die trotz aller guter Anlagen, die Leistung icht bringen können/werden. Diese werden dann vom Züchter selbständig aussortiert und verkauft.

Übrig bleiben aus jedem Jahrgang vielleicht ein oder zwei Hengste. Mit diesen tritt der Züchter dann im Winter bei der Hauptkörung an. Vorausgesetzt, alles klappt gut. Keine Verletzungen oder Krankheiten und der Hengst ist auf den Tag topfit! Zur Körung wird der Hengst noch geröngt und muss ein Gesundheitszertifikat mitbringen.

Die Hauptkörung

Hengstanwärter auf der Körung
Foto: Clarence Alford – Stock.Adobe.com

Mit knapp 3 Jahren geht es dann zur Körung. Hier muss alles passen. Der Hengst tipptop gepflegt, muss sich beweisen. Er wird gemessen, es wird auf dem Pflaster vorgetrabt, eine Musterung im Stand findet statt und der Hengst muss sein Talent im Freilauf und Freispringen zeigen. Alles dies muss bis ins kleinste Detail geübt worden sein. Für jede Aufgabe werden Noten von 0-10 verteilt. Auf einer Körung kommen alle Top Pferde eines Jahrgangd zusammen und auch hier gilt „andere Mütter haben auch schöne Söhne“. Der Traum eines jeden Züchters ist das letzte Wort des Richters. „Gekört!“

Die Hengstleistungsprüfung

Der nun gekörte Jungchampion darf nun noch einmal auf die Weide (so sollte es sein) um dann mit 4 Jahren in seiner nun gerittenen Hengstleistungsprüfung anzutreten. Hier muss er noch einmal in Dressur und Springen zeigen was er kann. Auch hier werden Noten verteilt. Besteht er diese Prüfung ist unser Fohlen ein echter eingetragener Deckhengst.